König Kreuz

Immer ein Hingucker: das Friesenhaus unter Reet

Wer an Sylt denkt, hat direkt ein Bild von Meer, Dünen und weiten Sandstränden im Kopf – und auch von den typischen Sylter Reetdachhäusern. Sie prägen den Charme der Ortschaften, insbesondere Keitum und Kampen sind bekannt für die hohe Dichte sehenswerter Friesenhäuser. Die Attraktivität dieser Häuser ist leicht zu erkennen – der typische Baustil zeugt von Gemütlichkeit und friesischer Tradition. Viele der originalen Reetdachhäuser sind dabei weit über hundert Jahre alt.

Erhalten und modernisieren statt neubauen

Fällt bei der Dacheindeckung die Wahl auf den nachhaltigen, weil nachwachsenden Rohstoff, wird der Bauherr nicht allein durch die schöne Optik und lange Haltbarkeit des Daches für seine Entscheidung belohnt. Zu bedenken sind andererseits der finanzielle Mehraufwand und spezielle Auflagen bei einem Reetdach. Soll etwa das Dachgeschoss als Wohnraum ausgebaut werden, ist die Einhaltung der nach dem Gebäudeenergiegesetz geltenden Dämmvorschriften herausfordernder als bei Hartdächern. Bei Neubauten muss außerdem ein sehr viel größerer Abstand zu den Grundstücksgrenzen eingeplant werden – die höhere Brandgefahr bei Reet schreibt dies vor. Die Bauordnung sieht jedoch vor: „Um den Erhalt historischer Bausubstanz zu sichern, sollen Abstände in historischen Beständen weiterhin geringer sein können als bei Neubauten.“

In all diesen Punkten werden potenzielle Friesenhausbesitzer bei König Immobilien kompetent und umfassend beraten, machen die wertvollen Reetdachhäuser doch rund ein Fünftel der pro Jahr verkauften Objekte der Sylter Immobilienprofis aus. Sie sehen viele gute Gründe dafür, ein Friesenhaus mit Reetdach zu erhalten, statt neu zu bauen. Die Erhaltungswürdigkeit und sogar -pflicht kann auch durch den Denkmalschutz bei einem alten Gebäude gegeben sein. Liegt der vor, muss der Eigentümer jede individuelle Umbaumaßnahme am Haus von der zuständigen Denkmalbehörde genehmigen lassen und den Zustand des Objektes grundsätzlich in zumutbarem Umfang aufrechterhalten. Dafür können die verpflichtenden Baumaßnahmen steuerlich geltend gemacht und Fördermittel beantragt werden.

Weil Reet langlebig und stilvoll ist

Heute schätzt man vor allem den ansprechenden Stil der Reetdachhäuser – dabei wurde zum Zeitpunkt ihres Erbauens an behagliches Wohnen zuletzt gedacht. Vielmehr lag das Hauptaugenmerk bei den weißgetünchten oder Backstein-Häusern auf Funktionalität und Langlebigkeit. Eine niedrige Bauweise und die Ausrichtung des Dachfirsts in Ost-West-Lage sollten den meist starken Westwinden möglichst wenig Angriffsfläche bieten. So duckten sich die Friesenkaten unter ihre sinnvoll konstruierten Reetdächer: Dank dieser althergebrachten Dachbedeckung mit dem Naturstoff Reet waren die Häuser sommers wie winters gut isoliert und hervorragend durchlüftet, da die Dächer noch nicht ausgebaut wurden. Weit herausragende Traufen als Dachüberstand hielten den Regen auch ohne Regenrinnen vom Mauerwerk fern, womit das Reetdach schon damals den Hausbewohnern einen bis zu 40 Jahre und länger währenden sturmsicheren, schneedichten und frostbeständigen Schutz bot.

Die Beliebtheit der Reetdächer ist immer noch sehr groß, mancherorts sind sie bis heute ortsprägend. Die handwerkliche Fertigkeit des Reetdachdecker bleibt deshalb auf Sylt bzw. den nordfriesischen Inseln weiterhin gefragt – ob für Reparaturarbeiten oder den kompletten Neuaufbau eines Daches. Hierbei kommt echte Handarbeit zum Einsatz, wenn die Schilfbündel auf den Dachstuhl entweder geschraubt, gebunden oder genäht werden.

 Die Vorteile der verschiedenen Deckungen kann der Fachmann zuvor abwägen: Beim Nähen etwa wird weniger Metall verwendet, das Binden braucht weniger Zeit. Das Dachdecken mit Reet zählt zu den ältesten Hausbautechniken, die wie eh und je traditionell – unter Zuhilfenahme nur weniger moderner Hilfsmittel – angewendet werden. So zählt das Reetdachdecker-Handwerk sogar zum immateriellen Kulturerbe in Schleswig-Holstein.

Einst zweckmäßig und schlicht

Viele optische Charakteristika der Friesenhäuser, die heute gern als Schmuckelement verwendet werden, dienten ursprünglich eher praktischen Zwecken.

Die schönen blau-weißen Fliesen und Kacheln etwa – oft handbemalt aus holländischen Manufakturen – wurden vorrangig als Schutz gegen Feuchtigkeit und Kälte angebracht. Kleine Fenster ließen eher wenig Licht ins Haus, aber hielten eben auch den Wärmeverlust gering. Die zweigeteilte sogenannte „Klöntür“ war zwar bestens dafür geeignet, mit den Nachbarn durch den offenen oberen Teil einen Klönschnack zu halten, ohne das Haus zu verlassen. Allerdings sollte dadurch vor allem das Kleinvieh daran gehindert werden, unerlaubt zu entwischen oder hereinzutrippeln. Denn der Wohnraum war einstmals multifunktional; Mensch und Tier lebten oft direkt in einem einzigen Raum nebeneinander.

Eine aus heutiger Sicht recht kuriose Besonderheit waren die Alkoven, in denen die Familie gemeinsam nächtigte: In diese kleinen, von drei Seiten abgeschlossenen Nischen konnte man nur hineinkrabbeln und wegen der kurzen Liegefläche oft nur im Sitzen schlafen. Geschlossen wurden sie mit Schranktüren oder Vorhängen. Wenn sie eine Wand mit der Küche teilten, sorgte das für ein wenig mehr Wärme. Diese eher unbequemen Schlafstätten kann man sich noch in Museen anschauen, wie etwa im Altfriesischen Haus in Keitum.

Tradition modern aufgewertet

Doch modernisierte oder neu gebaute Friesenhäuser bieten selbstverständlich einen ganz anderen Luxus, passen sie sich doch den aktuellen Vorstellungen vom komfortablen Wohnen an. Optisch greifen sie den traditionellen Stil mit Friesengiebel und Schmuckmauerwerk sowie Rundbogenfenstern und -türen auf. Dabei wird allerdings meist in die klassisch reetgedeckten Dächer eine spezielle Unterkonstruktion eingearbeitet, um das Dachgeschoss auch als Wohnraum nutzen zu können. Die typischen Sprossenfenster bieten mittlerweile mindestens eine doppelte Verglasung zur besseren Wärmeisolierung oder auch höheren Schall- und Einbruchsschutz. Geschickt integrierte oder nachempfundene Komponenten des Originalzustands wie etwa alte Deckenbalken, Kacheln oder Böden verleihen der modernen Einrichtung einen sehr individuellen Stil.

Um dem Gesamteindruck Genüge zu tun, bietet sich als Grundstückseinfriedung ein eleganter weißer Friesenzaun an, mit geschwungenen Bögen oder schlich gradlinig. Hier können Sylter Spezialisten sehr haltbare Hölzer und Farben verarbeiten, die der Salzluft lange standhalten. Oder die Entscheidung fällt auf einen typischen Friesenwall, der mit seinem sehr natürlich wirkenden Aufbau aus Steinen und reicher Bepflanzung einen dekorativen Sichtschutz bietet. Damit ist die Idylle von Haus und Garten perfekt!

Fotos: © harbucks via Adobe Stock, BestForYou via Adobe Stock.

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