König Kreuz
23. Juni 2020

„Oft passt noch nicht mal der Porsche durch die Einfahrt“

Quelle: WirtschaftsWoche Interview von Tina Zeinlinger, 22 Juni 2020

Sylt steht für Luxus und Opulenz – eine, die ihren Reichtum am liebsten in Reetdachhäusern tarnt. Im Interview erklärt Luxus-Makler Ole König, warum man Teslas auf der Insel vergebens sucht und Investoren das Eiland auch ohne Designervillen lieben.

Der Name ist Programm. Wer königliche Immobilien auf Sylt sucht, kommt an Ole König nicht vorbei. Der 37-Jährige führt das älteste Maklerunternehmen auf der Insel. Seit einem halben Jahrhundert vermittelt und entwickelt der Familienbetrieb Häuser und Apartments im Luxussegment. Über die Jahre hat Familie König so manchem Prominenten zu seinem Feriendomizil auf dem Eiland verholfen und den Sylter Immobilienmarkt so gut wie kaum ein anderes Maklerbüro kennengelernt. Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche verrät Ole König, geschäftsführender Gesellschafter von „König Immobilien Sylt“, warum seine Reetdach-Häuser Luxusobjekte sind und seine reichsten Kunden Kellergeschosse lieben, den Tesla aber zu Hause lassen müssen.

Herr König, wann haben Sie Ihre letzte Immobilie verkauft?

Ole König: Wir haben erst vergangene Woche zwei tolle Immobilien, die wir selbst als Bauträger entwickelt haben, an die Käufer übergeben: Einmal ein klassisches Reethaus im mittleren einstelligen Millionenbereich mit allem, was dazugehört: Ein Wohnzimmer so groß wie ein Tanzsaal, ein eigener Wellnessbereich, eine riesige Garage und vieles mehr. Das zweite Objekt ist ein reetgedecktes Doppelhaus mit einem traumhaften Blick auf beide Meere – eine wirklich unschätzbare Lage. Der Preis für diesen steingewordenen Traum aus Stein und Reet liegt nochmals deutlich höher. Das Reethaus haben Industrielle aus der Baubranche gekauft, die Doppelhaushälfte ein Finanz- und Immobilienunternehmer.

Ihr Tagesgeschäft läuft also wieder. War das auch so, als vorübergehend nur Erstwohnbesitzer auf die Insel durften?Unsere Projektentwicklungen liefen zum Glück auch während des Lockdowns relativ normal weiter. Wir haben es sogar geschafft, trotz der Reisesperre Immobilien zu verkaufen. Zum Teil war das Glück, zum Teil hat uns aber die moderne Technik dabei geholfen. Dank ihr konnten wir beispielsweise Interessenten ganz einfach mit der Handykamera und virtuellen Rundgängen durch die Häuser führen oder Beratungstermine per Videotelefonie abhalten. Das gab unserem geschäftlichen Alltag ein Stück weit Routine, auch wenn es hier und da mal zu Engpässen an Materiallieferungen oder Handwerkern in Quarantäne kam. Ansonsten war die plötzliche Leere auf Sylt aber auch irgendwie schön. Schön, aber bizarr.

Die vielen privaten Ferienhausvermieter auf der Insel sahen das wahrscheinlich anders. In der Tat, die Zeit des Lockdowns wird den meisten vermutlich ewig in Erinnerung bleiben. Auf einen Schlag war alles infrage gestellt. Gerade für unsere Ferienvermietung mit den Tausenden Mietverträgen, besorgten Kunden und Mitarbeitern, bedeutete der Shutdown eine enorme Herausforderung. Umso größer war die Erleichterung, als Touristen wieder auf die Insel durften.

Urlaub im eigenen Land wird immer beliebter – das gilt einmal mehr in der Coronakrise.

Verkaufen sich Ihre Ferienhäuser auf Sylt seit der Pandemie leichter?

Seitdem klar ist, dass Urlaub im Ausland in diesem Jahr nur eingeschränkt möglich ist, haben unsere Verkäufer alle Hände voll zu tun. An jedem unserer insgesamt vier Standorte gibt es mehrere Besichtigungen pro Tag. Von der Einzimmerwohnung bis zum Multimillionenobjekt – bei Ferienhausvermietern ist im Moment alles gefragt.

Dürfen Interessenten aktuell auf Schnäppchen auf der Insel hoffen?

Nein, die Preise sind selbst – oder gerade jetzt in der Krise stabil. Die Nachfrage nach Immobilien auf Sylt ist nach wie vor hoch, wenn nicht sogar höher als vor der Pandemie. Dieser Trend wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Ferien in Deutschland werden immer beliebter und davon profitiert der Markt natürlich. Außerdem haben sich die Preise auf der Insel bisher durch alle Krisen hindurch stabil entwickelt, das hat uns zuletzt auch die Finanzkrise 2008 gezeigt. Sylt ist der Safeplace für die Deutschen und spielt seine Stärke als Investitions-, aber auch Urlaubsparadies voll aus: Wir haben fantastische Strände, endlose Weiten und eine hohe Lebensqualität. Schnäppchen wird es daher auch in dieser Krise nicht geben. Ganz im Gegenteil.

Seit Jahrzehnten schießen auf Sylt Neubauten aus dem Boden. Wird das auch nach der Pandemie so bleiben?

Bislang ist der Bauboom ungebrochen. Von Hörnum im Süden der Insel über Morsum bis nach List im Norden – man findet kaum eine Straße ohne Baustelle. Gebaut werden vor allem Wohnungen, Doppelhaushälften und Reihenhausteile. Für Einzelhäuser ist der Platz auf der Insel mittlerweile sehr knapp und der Grund teuer, sodass diese deutlich seltener gebaut werden. Für die nächsten ein bis zwei Jahre kann ich mir vorstellen, dass es für Bauträger immer schwieriger wird, ihre Neuprojekte zu finanzieren. Aktuell sind die Banken noch großzügig bei der Vergabe von Krediten, ob das auch nach der Krise so bleibt, ist fraglich.

 

CR Bild 1: WirtschaftsWoche

https://www.wiwo.de/my/finanzen/immobilien/luxus-immobilien-auf-sylt-oft-passt-noch-nicht-mal-der-porsche-durch-die-einfahrt/25938624.html?ticket=ST-420264-BgWSbEECsppfrYPysnwa-ap4

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